Das Kollektiv
Das Künstlerkollektiv W-H-O besteht aus den drei Kunstschaffenden Guido Werner Zelger, Philipp Hanspeter Wyrsch und Rainer Otto Hummel, die alle in Nidwalden geboren und aufgewachsen sind. Die drei Grossbuchstaben des Gruppennamens W-H-O stehen für die Anfangsbuchstaben der Zweitnamen der Künstler.
Die Übereinstimmung der drei Buchstaben mit einer sehr grossen, weltweit operierenden Organisation ist reiner Zufall. Es bestehen aber durchaus auch Parallelen zu dieser Organisation. Unsere gestalterischen Arbeiten sollen für die ganze Welt frei zugänglich sein. Die entstehenden Werke werden durch niemanden kontrolliert, zensuriert oder hinterfragt, ausser durch uns selbst. Es ist alles erlaubt, was dem Bildwerk zuträglich und dem Künstlerkollektiv W-H-O genehm ist. Der Gruppenname kann und soll bewusst zum Vor- und Nachdenken anregen. Die Formate der drei Baumwolltücher sind auf unsere Körpergrössen zugeschnitten. Sie sind in einem gedrungenen Quadrat gehalten.
Das Format ist die einzige Vorgabe für die bildnerische Gestaltung der mit Gesso grundierten Baumwolltücher. Es besteht keine Thematik, an die man sich halten muss. Ebenso ist die Technik der Ausführung offen und nicht eingegrenzt. Im kreativen Prozess des Gestaltens ist also alles erlaubt. Da wir uns in sehr unterschiedlichen Bereichen im jeweils eigenständigen, künstlerischen Schaffen betätigen, ist diese Freiheit bei der Wahl der Technik und der gestalterischen Mittel bewusst offengelassen und auch er-wünscht. Im Verlauf des Arbeitens über die drei Bildformate und die drei sehr unterschiedlichen ersten Ansätze kann sich durchaus eine gemeinsame Thematik entwickeln. Dies ist aber keine Bedingung und auch nicht das Ziel der Gemeinschaftsarbeit unseres Künstlerkollektivs. Mit jedem gestalterischen Eingriff jedes Künstlers auf jedem der drei Bildformate eröffnen sich immer wieder neue Sichtweisen, Ideen und Perspektiven.
Guido Werner Zelger
*1955 in Stans
lebt und arbeitet in Haimburg, Österreich
Philipp Hanspeter Wyrsch
*1959 in Buochs
lebt und arbeitet in Zürich
Rainer Otto Hummel
*1968 in Stans
lebt in Hergiswil und arbeitet in Wolfenschiessen
Arbeitsweise der WHO
Die Arbeit des Künstlerkollektivs ist dreiteilig und besteht aus drei Bildern auf Leinwand. Die Formate der Leinwände, die sich wenige Zentimeter unterscheiden, beziehen sich auf die jeweilige Grösse und Armspannweite der Künstler.
In einem ersten Schritt beginnt jeder Künstler mit dem Arbeitsprozess auf seiner leeren Leinwand. Weder Thematik noch Technik sind vorgegeben. Den Zeitpunkt, wann er die Leinwand dem nächsten Künstler weitergibt, bestimmt er selbst.
Jeder Künstler erhält nach einer gewissen Zeit eine zweite Leinwand, die bereits künstlerisch bearbeitet ist. Er führt nun diese Arbeit in seinem eigenen künstlerischen Schaffensstil weiter, indem er auf das Bestehende eingeht, ergänzt, übermalt, Neues hinzufügt usw. und die Leinwand dem nächsten Künstler schickt.
Dieser Künstler arbeitet nun auf der dritten Leinwand weiter, auf der bereits zwei Interventionen stattgefunden haben. Der letzte Künstler kann jeweils bestimmen, wann er die Arbeit als abgeschlossen betrachtet. Jeder Künstler arbeitet somit einmal an erster, an zweiter und an dritter Stelle.
Das Bildformat, welches der Künstler als letztes bearbeitet, hat jeweils die Höhe der eigenen Körpergrösse und die Breite eines anderen beteiligten Künstlers.
Arbeitsweise der Künstler
Guido Werner Zelger
Der Künstler arbeitet vorwiegend mit der Technik der Collage, die er mit Bleistift und Farbstift überzeichnet und mit sparsam eingesetzter Acrylfarbe übermalt. Mit diesem Vorgehen schafft er Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Bildfragmenten und stellt unerwartete, irrationale Bezüge zwischen den Figuren, Räumen und Flächen her. Der Künstler spiegelt, dreht und verschiebt das Motiv des bewusst gewählten Bildmaterials und unterläuft somit eine konventionelle Betrachtungsweise. Unten und oben lassen sich nicht mehr eindeutig festlegen, Flächen des Hintergrunds überlagern sich mit dem Vordergrund und die Bildstruktur wird irritierend verändert. Weiter verfremdet Guido Zelger Formen und Gestalten, indem er sie vervielfältigt, vergrössert und verkleinert und diese zu neuen Bildkompositionen zusammen-fügt, die sich oft zu ornamentalen Mustern verdichten. Die Bilder erinnern in ihrer traumhaften und fabelartigen Metamorphose an surreal Rauschhaftes, das auf das letztlich Unfassbare des Daseins verweist.
Philipp Hanspeter Wyrsch
Das Thema «Raum» spielt im Schaffen des Künstlers eine wesentliche Rolle. Linien aus Tusche und Ölfarbe ziehen sich über die Leinwand, kreuzen sich, formen Flächen und verbinden sich zu perspektivischen Räumen, die mit den Tapetenfragmenten (Tapeten-Digital-prints) interagieren, die der Künstler in unterschiedlichen Formen und Grössen auf die Leinwand klebt. Die Tapeten, die einen Bezug zu einem realen Innenraum aufscheinen lassen, öffnen weitere räumliche Perspektiven und bleiben gleichzeitig Fläche und reines Tapetenmuster. Diese Linien- und Raumge-flechte sind fragil, entziehen sich einer eindeutigen Perspektive, sind Leer- und Zwischenräume. Indem der Künstler die Tapete nicht nur als Fragment einsetzt, sondern verschiedene Tapeten zu einem Malgrund zusammenfügt, entsteht eine Gleichzeitigkeit zwischen realem und nur gedachtem Raum. Diese Raumsituation bildet den Hinter- und Untergrund, auf den Philipp Wyrsch eigene Fotografien druckt, Bildfragmente aus historischen Quellen klebt, skizzenhaft menschliche Figuren und Linien malt. In der Gleichzeitigkeit verschiedener räumlicher und zeitlicher Momente setzt er Vergangenes mit Gegenwärtigem in Bezug, sodass eine neue Bildaktualität entsteht.
Rainer Otto Hummel
In seinem Werk befasst sich der Künstler vorwiegend mit Farbe, Klang und Rhythmus, die er in den Medien Zeichnung, Malerei, Musik und Installation vielfältig thematisiert und umsetzt. Die gestalterischen Formen sind sehr variabel und flexibel. Die Art der Umsetzung und die Wahl der Technik stehen mit der jeweiligen Thematik eines Werkzyklus in enger Wechsel-beziehung, sind ihr eingeschrieben und angepasst. In seinen malerischen Notationen wird das Bild zum sichtbaren Klang, die Farbe hörbar, der Rhythmus spürbar. Indem die bildnerischen Arbeiten Musikerinnen und Musikern als Ausgangspunkt für neu umzu-setzende Klangbilder dienen, werden sie performativ weitergeführt und zum akustischen Klang. Der Künstler arbeitet oft über lange Zeiträume parallel an verschiedenen Werkzyklen und Werkgruppen. Diese zum Teil sehr unterschiedlichen Zyklen können sich gegen-seitig ergänzen, verdichten, spannungsvoll gegenüberstehen oder als Variationen gelesen werden. In ihrer Vielschichtigkeit zeigt sich Überraschendes und Unerwartetes. Die Arbeitsweise von Rainer Hummel ist ein kreativ fliessender Prozess, der Künstler versteht den Weg als eigentliches Ziel, ihn interessiert die rhythmische Linie des farbigen Grau im Raum.


